Eine europäische Vision der vernetzten Gesellschaft

Überlegungen nach dem Treffen der Digital Champions in Brüssel am 19. und 20.3.2014

Die deutsche Bundesregierung hat die Aufgabe, eine digitale Agenda für die vernetzte Gesellschaft zu entwickeln und gleichzeitig Konsequenzen aus dem NSA-Überwachungsskandal zu ziehen. Die Umsetzung einer europäischen Vision des offenen Netzes ist ein gemeinsames Zukunftsprojekt der EU und der Bundesregierung. Diese Vision ist geprägt durch vier Kriterien der Nachhaltigkeit: ökonomisch, ökologisch, sozial und kulturell. Mit einer solchen Vision werden mehrere Ziele erreicht:
– eine ökonomisch nachhaltige Innovationsstrategie im Bereich IT zur digitalen Wirtschaftsförderung
– eine ökologisch nachhaltige Entwicklung einer „grünen“ Infrastruktur
– ein kulturell nachhaltiges Netz der Freiheit, Experimentierfreude und der europäischen Werte
– eine sozial nachhaltige Infrastruktur der Partizipation, politischen Teilhabe und der lokalen Communities

Ein europäisches Netz bedeutet nicht die Entwicklung eines protektionistischen, lokal begrenzten Internets, das der Idee einer globalen Vernetzung widersprechen würde. Vielmehr geht es darum, globalen Entwicklungen eines komplett überwachten, von wenigen globalen Unternehmen dominierten Netzes entgegenzuwirken und Bürgerrechte, Datenschutz und Sicherheit der digitalen Gesellschaft zu stärken. Dieser Ansatz kann zu einem Alleinstellungsmerkmal und damit zum Innovationsfaktor für die deutsche wie europäische Digitalwirtschaft wie auch für die vernetzte Gesellschaft werden. Dazu bedarf es einer nachhaltigen Strategie zur Entwicklung eines europäischen Netzes, die die Regulierung, wirtschaftliche Weiterentwicklung, zukunftsweisende Forschung und Entwicklung sowie kulturelle und soziale Aspekte einbezieht.
Um diese gemeinsame digitale Agenda umzusetzen, wurde beim Treffen der „Digital Champions“ in Brüssel am 19. und 20.3.2014 gemeinsam mit Neelie Kroes eine Initiative zur digitalen Arbeit beschlossen. Um der Jugendarbeitslosigkeit in Europa und dem gleichzeitigen Fachkräftemangel in der IT-Branche zu begegnen, bedarf es einer gemeinsamen Initiative aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, um die Voraussetzungen für mehr digitale Arbeitsplätze zu schaffen. Einige der kurzfristigen Ziele sind daher, dass Karrieren in der IKT-Branche attraktiver werden, dass die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten verbessert werden sowie dass die Qualifikationen im Rahmen der EU gegenseitig anerkannt werden. Diese europäische Initiative soll durch eine nationale Initiative in Deutschland ergänzt werden. (http://ec.europa.eu/digital-agenda/en/grand-coalition-digital-jobs-0)
Darüber hinaus soll die Förderung von Medienkompetenz von der Grundschule an durch eine gemeinsame Initiative, der „Code Week“, in Angriff genommen werden. Idee ist es, im Oktober eine europaweite Woche des Programmierens auszurufen, an der in allen Mitgliedsländern Projekte angeboten werden – in Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen. Besonders Kinder und Jugendliche sollen einen Einblick bekommen, dass Programmieren nicht nur in der Informatik stattfindet, sondern dass es einfach zu lernen und ein Baustein heutiger Medienkompetenz ist. (http://codeweek.eu/)
Mit diesen beiden Projekten startet meine Zeit als „Digital Champion“. Diese Ideen möchte ich mit auf die digitale Agenda der Bundesrepublik setzen – und so erste Initiativen einer gemeinsamen Agenda zwischen Brüssel und Berlin starten.